Das “es”, das den Sinn macht, sind wir selbst

Ist die Frage, danach WAS der Sinn des Lebens IST, in dieser Form zu eindimensional? – Ja. Denn Sinn IST nicht, Sinn wird gegeben. Sinn entsteht. Sinn zeigt sich. Sinn wird gemacht. – Wenn wir noch ganz anders nach ihm fragen.

 

Nichts hat einen Sinn

Etwas “macht” Sinn, “etwas “hat” keinen Sinn – wir sprechen über Sinn häufig als etwas, das unabhängig von uns existiert, uns zustößt oder sich finden ließe. Verwandt damit ist auch die Idee einer gegebenen Berufung oder schicksalhaften Lebensaufgabe, bestimmter Ereignisse, die so und nicht anders passieren müssten.   oder Warum viele meiner Coachings oder Seminare mit ein paar Minuten Stille beginnen? Und was das mit gelingenden Veränderungsprozessen im Kleinen und Großen zu tun hat? Eine Menge. Allerdings nichts mit Wellness oder Esoterik.

 

Kontrastprogramm: Meine erste Meditationserfahrung. Schlichte Betonhalle. Musik aus einem Autoradio dringt durch die weit geöffneten Fenster – es ist heiß an diesem Nachmittag in Sri Lanka. Nur der Sitz meines Plastikstuhls ist unangenehm kalt. Und noch bevor der Mönch in orangeroter Robe den ersten Satz gesagt hat, hätte ich bereits gern: Eine bessere Sitzgelegenheit. Ruhe. Ein schöneres Ambiente. Und weniger altkluge Mitschülerinnen, die stolz von Trancereisen und Krafttieren erzählen.

 

Das Leben läuft schon

Wir wollen ständig irgend etwas. Und irgendetwas nicht. Das Gute soll bleiben. Das Schlechte soll gehen. Was gut und was schlecht ist, erzählt der Plappermann in unserem Kopf in einer Tour. Wir machen uns im Kopfkino die Welt, sie uns gefällt. Oder gefallen würde. Damit sind wir geistig so beschäftigt, dass wir leider eine Sache verpassen: Wie die Welt hier und jetzt, gerade einfach so, IST. Das Leben läuft schon. Nur: Sind wir dabei?

Meditation hat wenig mit Wellness zu tun, aber viel mit genau dieser Frage: Sind wir “tuned in, or tuned out” (Nipun Metha)? Je mehr wir uns in unseren Gedanken verlieren, desto weniger ist uns bewusst, dass sie nur das sind: Gedanken. Nicht die Wirklichkeit. Wir aber verlieben uns in unsere Ansichten, Auffassungen, Meinungen, Logiken wie Narziss in sein eigenes Spiegelbild – und verlieren damit immer mehr die Fähigkeit, uns selbst noch von Außen zu betrachten oder in die Weltbilder anderer hineinzuversetzen und auch andersartige Meinungen nachvollziehen zu können: Der Riegel an einem mentalen goldenen Käfig.

 

Unsere DNA braucht ein Update

Nicht nur, dass wir damit eine Menge Sozialkompetenz einbüßen und unsere Beziehungen leiden. Auch unsere kognitiven Möglichkeits- und Lösungsräume schrumpfen. Denn wir brauchen die “Öffnung des Denkens” (Otto Scharmer), um uns immer wieder von neuen Dingen berühren zu lassen und damit in einer sich schnell wandelnden Welt handlungsfähig zu bleiben: Bleibt unsere Art zu denken, unsere mentale DNA immer die gleiche, reproduzieren wir nur immer mehr vom selben. In unserer Innenwelt, aber auch ganz handfest im Außen. Und das reicht nicht für kreative, innovative Antworten auf die komplexen Fragen unserer Zeit.

Unsere individuellen und kollektiven Routinen brauchen ein Update, wenn wir zu neuen Ergebnissen kommen wollen. Und das wäre angesichts unseres persönlichen Unglücks mitten im Überfluss und angesichts des Zustandes unseres Planeten nicht nur wünschenswert, sondern überlebenswichtig.

 

Meditieren als inneres Gärtnern

Meditation gilt seit zweieinhalbtausend Jahren als Königsweg, sich von der Verliebtheit, dem Verhaftet-sein in den eigenen Gedanken zu lösen und ein mind set zu kultivieren, das konstruktives, lebensdienliches Handeln fördert. “Es ist wie in einem Garten”, erklärt unser fröhlicher Mönch in seiner orangeroten Robe zwischen den Plastikstühlen in der singhalesischen Mittagshitze: “Die Samen, die wir wässern, gehen auf und wachsen. Wenn wir alles wuchern lassen, erdrückt das Unkraut Blumen und Gemüse. Nichts gedeiht richtig, wir ernten nicht die Früchte, die uns gut tun. Wir wählen also aus, was wir gießen und pflegen – und was nicht.”.

Die kluge Gärtnerin, der kluge Gärtner – sie beobachten, was sich da entwickelt im inneren Dschungel, machen Bestandsaufnahme. Wählen aus, was gewässert und genährt wird, und werfen auf den Kompost, was lieber nicht groß wird – und das am besten, bevor es tiefe Wurzeln geschlagen hat oder heranreift und weitere Samen verstreut.

 

Kein Unkraut auf den Nachbar-Acker

Das Bild passt gut: Wenn wir durch Meditation lernen, ärgerliche, kleinliche Gedanken im Keim zu erkennen und nicht mehr zu nähren, dann verhindern wir, dass Ärger, Enge, Geiz oder übermäßige Sorgen sich in uns selbst ausbreiten und schließlich auch auf andere übergreifen. Und das ist der Punkt, an dem Meditation mehr wird als ein Streben nach ganz persönlicher Gelassenheit: Achtsame Selbstführung ist aktiver Umweltschutz. Und eine mächtige Intervention ins soziale Gefüge: Denn so wie Aggression oder Angst sozial anstecken und sich kollektiv hochschaukeln können, so befeuern sich Menschen auch gegenseitig mit Achtsamkeit, Wohlwollen, Empathie. Wenn wir diese in uns selbst kultivieren, kultivieren wir sie in der Gesellschaft.

Zu meditieren ist also kein weltabgewandter Rückzug aufs Yogakisschen. Es ist ein politischer Akt, ein Akt sozialen Engagements, der Courage – Herzhaftigkeit braucht (Ha Vinh Tho). Denn es bedarf des Mutes und De-mutes, sich radikal ehrlich anzuschauen, was da in einem ist – oder eben auch (noch) nicht. Jon Kabat-Zinn formuliert es drastischer: “Meditation ist nichts für Feiglinge, nichts für jene Menschen, die aus Gewohnheit die leise Stimme der Sehnsucht ihres Herzens ignorieren.”.

 

Meditation for future

Wer lernt, die leisen Stimmen in sich selbst zu hören und ernst zu nehmen, der wird es auch bei der nächsten Gruppendiskussion oder Bundestagsdebatte tun. Dem Leisen, den Minderheiten eine Stimme zu geben, damit auch die Weisheit im Widerstand beitragen kann zu einer besseren Gesamtlösung für alle – das braucht ein großes Ohr, ein weites Herz, einen offenen Geist und einen scharfen, integrativen Verstand.

Ich stimme Wolfgang Niedecken völlig zu: Arsch hoch, Zähne auseinander. Aber davor bitte: Mund zuklappen und den Allerwertesten immer wieder runter auf den Boden bringen. Damit wir nicht aus blinder Wut “gegen” Dinge kämpfen, sondern mit bewusster Courage “für” etwas. Der Weg aus der Krise führt nach innen (Ha Vinh Tho).

 

Dabei statt nur mittendrin

Aber muss man dazu denn jetzt die Beine kreuzen? – “Sie können genau so gut alle Viere von sich strecken”, lacht der Mönch in der Betonhalle und lümmelt sich über einen Plastikstuhl. Wir lachen. – Ja, auch lachen darf man. Denn, so betont er, während er den Stuhl zusammenklappt und wieder auf dem Betonboden Platz nimmt: “Das ganze Leben ist Meditation”. Wenn du nicht nur mittendrin bist. Sondern dabei.

 

Aktuelle Workshops, in denen du ins Meditieren reinschnuppern kannst: Meditieren für Anfänger*innen

 

Meditieren für Frieden – Eine Woche Wohlwollen

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

gerne würde ich mit Euch zum dritten und bis Ostern letzten Mal in der kommenden Woche (21. – 25.03.2022) zusammen in den Tag starten.

Gemeinsam mit allen, die Lust und Zeit haben, möchte ich fünf Tage lang nur eine einzige Sache üben: Freundlichkeit und Wohlwollen (metta) gegenüber uns selbst und anderen zu kultivieren.

Liebe und Mitgefühl sind Notwendigkeiten, kein Luxus. Ohne sie kann die Menschheit nicht überleben.”

(Dalai Lama XIV)

 

Hier der Zugangslink für alle Tage: 

Gemeinsam meditieren für Frieden – Eine Woche Wohlwollen
21.03. – 25.03.2022, jeweils 08:00 – 08:30 h
Zoom-Meeting beitreten
https://us06web.zoom.us/j/81906064129?pwd=TXRUSjJta3RWLzZqall5OXpZU0MwZz09

Meeting-ID: 819 0606 4129
Kenncode: 862395

 

Verbreitet diese Einladung gerne auf allen Kanälen, die Euch sinnvoll erscheinen.

Herzlichst,
Claudia

 

Der Impuls für diese Aktion kommt von unseren Meditierenden.

Audio-Mitschnitt Meditationen für Frieden: Die Wolke in meiner Teetasse

Hier der Audiomitschnitt unserer heutigen Meditation für Frieden: Die Wolke in meiner Teetasse

Ich hoffe, jeder Hahnenschrei bringt euch zurück in den gegenwärtigen Augenblick… 😉

„Eine Wolke kann niemals sterben.
Sie kann zu Regen, Schnee oder Hagel werden,
sie kann sich in einen Fluss verwandeln,
aber es ist unmöglich, dass eine Wolke stirbt.
Die wahre Natur der Wolke ist Nicht-Geburt und Nicht-Tod.“
-Thich Nhat Hanh

Audio-Mitschnitt Meditationen für Frieden: Der innere Garten

Hier der Audiomitschnitt unserer heutigen Meditation für Frieden: Der innere Garten

Inspiration für diese Meditation lieferten das unten stehende Gedicht von Lynn Park, sowie ein Text über die Kraft der Freundlichkeit von Zen-Meister Thich Nhat Hanh. In diesem dichtet er:

“Wie erfrischend klares Wasser entspringt Mitgefühl dem Herzen und heilt die Wunden des Lebens. Vom höchsten Gipfel des Geistesgebirges strömt das gesegnete Wasser abwärts, fließt in Reisfelder und Orangenhaine. Von der Spitze eines Grashalms trinkt die giftige Schlange einen Tropfen dieses Nektars und spürt, wie das Gift auf ihrer Zunge schwindet. […] Dieses heilende Wasser – gleich, ob an einem Zweig von Avalokitas Weiden oder in meinem Herzen – ist stets dasselbe. Heute Abend fallen alle Waffen vor unseren Füßen zu Boden und zerfallen zu Staub. Eine Blume, zwei Blumen, Millionen kleiner Blumen sprießen auf den grünen Feldern.” (aus: Thich Nath Hanh, “Nenne mich bei meinen wahren Namen”, Herder 1998).

Take the time to pray –
it is the sweet oil that eases the hinge into the garden
so that the doorway can swing open easily.
You can always go there.

Consider yourself blessed.
These stones that break your bones
will build the altar of your love.

Your home is the garden.
Carry its odor, hidden in you, into the city.
Suddenly your enemies will buy seed packets
and fall to their knees to plant flowers
in the dirt by the road.
They’ll call you Friend
and honor your passing among them.
When asked, “Who was that?” they will say,
“Oh that one has been beloved by us
since before time began.”
This from people who would have trampled over you
to maintain their advantage.

Give everything away except your garden,
Your worry, your fear, your small-mindedness.
Your garden can never be taken from you.

-Lynn Park

 

Audio-Mitschnitt Meditationen für Frieden: The one who knows

Hier der Audiomitschnitt unserer heutigen Meditation für Frieden: The one who knows (Ajahn Chah)

Die folgende Meditation ist aus der Idee der “Inneren Beobachterin” von Luise Reddemann entstanden und stärkt unsere Fähigkeit, Gefühle und Gedanken weise zu halten, statt uns von ihnen wegschwemmen zu lassen. Sufi-Poet Rumi drückt diese Haltung der Nicht-Identifikation in einem Gedicht aus:

Das Gasthaus

Das menschliche Dasein ist ein Gasthaus.
Jeden Morgen ein neuer Gast.
Freude, Depression und Niedertracht –
auch ein kurzer Moment von Achtsamkeit
kommt als unverhoffter Besucher.

Begrüße und bewirte sie alle!
Selbst wenn es eine Schar von Sorgen ist
die gewaltsam Dein Haus
seiner Möbel entledigt.
Selbst dann behandle jeden Gast ehrenvoll
vielleicht reinigt er Dich ja
für neue Wonnen.

Dem dunklen Gedanken, der Scham, der Bosheit –
begegne ihnen lachend an der Tür
und lade sie zu dir ein.

Sei dankbar für jeden, der kommt,
denn alle sind zu Deiner Führung geschickt wordenRumi – Das Gasthaus

Das menschliche Dasein ist ein Gasthaus.
Jeden Morgen ein neuer Gast.
Freude, Depression und Niedertracht –
auch ein kurzer Moment von Achtsamkeit
kommt als unverhoffter Besucher.

Begrüße und bewirte sie alle!
Selbst wenn es eine Schar von Sorgen ist
die gewaltsam Dein Haus
seiner Möbel entledigt.
Selbst dann behandle jeden Gast ehrenvoll
vielleicht reinigt er Dich ja
für neue Wonnen.

Dem dunklen Gedanken, der Scham, der Bosheit –
begegne ihnen lachend an der Tür
und lade sie zu dir ein.

Sei dankbar für jeden, der kommt,
denn alle sind zu Deiner Führung geschickt worden
aus einer anderen Welt.

 

 

Mehr Impulse bekommst du z. B. in der offenen Meditationsgruppe.

Audio-Mitschnitt Meditationen für Frieden: Die Geschichten sehen

Hier der Audiomitschnitt unserer heutigen Meditation für Frieden: Die Geschichten sehen.

Wir nehmen häufig nur die gewordenen Resultate in einer Situation wahr: Den Menschen, wie er gerade ist, die Strukturen, wie sie gerade sind, die Handlungen, wie sie jetzt passieren. Und das beurteilen wir schnell als gut oder böse.

Der Prozess, der zu der aktuellen Situation geführt hat, und die Bedingungen und Intentionen, die in einem feinen Wechselspiel dazu beigetragen haben – das sehen wir selten. Wenn wir erlebt hätten, was der andere Mensch erlebt hat, wenn die Umstände nur wenig anders gewesen wären, würden wir dann vielleicht jetzt an seiner Stelle stehen?

In dieser Meditation kannst du eintauchen in diese Sicht der Dinge, und vor allem: Deine glücklichen Umstände teilen.

 

Den Soundeffekt unter der Meditation lieferte Kater Sirius, der unbedingt dabei sein wollte.

Mehr Impulse bekommst du z. B. in der offenen Meditationsgruppe.

Meditieren für Frieden – Es geht weiter

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

gerne möchte ich mit Euch auch in der kommenden Woche 14.03. – 18.03.2022 gemeinsam über ZOOM für den Frieden meditieren und den inneren Frieden kultivieren: Jeden Tag von 8:00 – 8:30 h will ich für uns Meditationen anbieten, um individuell und kollektiv Achtsamkeit, Wohlwollen und Frieden zu nähren.

“If we want peace, we have to be peace. Peace is a practice not a hope.” (Wenn wir Frieden wollen, müssen wir Frieden sein. Frieden ist eine Praxis, keine Hoffnung.)
– Thich Nhat Hanh


Der Zugangslink für alle Tage:

Gemeinsam meditieren für Frieden
14.03. – 18.03.2022, jeweils 08:00 – 08:30 h

Zoom-Meeting beitreten
https://us06web.zoom.us/j/81906064129?pwd=TXRUSjJta3RWLzZqall5OXpZU0MwZz09

Meeting-ID: 819 0606 4129
Kenncode: 862395

Verbreitet diese Einladung gerne auf allen Kanälen, die Euch sinnvoll erscheinen.

Herzlichst,
Claudia

Der Impuls für diese Aktion kommt von unseren Meditierenden.

Einladung: Gemeinsam meditieren für Frieden über ZOOM

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

gerne möchte ich mit Euch ab Montag, 28.02.2022 gemeinsam über ZOOM für den Frieden meditieren.

“Die Trennlinie zwischen Gut und Böse verläuft durch das Herz eines jeden menschlichen Wesens.” (Aleksander Solzhenitsyn in “Der Archipel GULAG”)

Angesichts der Ereignisse ist es für mich und viele andere nicht leicht, mit der eigenen Angst, Verwirrung, Wut, sogar mit dem Wunsch nach Vernichtung der “Aggressoren” auf weise Art umzugehen. Doch Gewalt schafft Gewalt (Marshall Rosenberg). Positiv handeln können wir nur von einem inneren Ort des Friedens aus.

Ich will Euch einladen, diesen gemeinsam zu stärken, als kraftvolle Energie in die Welt zu schicken, und dabei niemanden aus unseren Herzen auszuschließen. In der kommenden Woche werde ich Montag bis Freitag jeden Tag von 8:30 – 9:00 h einen virtuellen Raum über ZOOM öffnen. So gut, wie ich es kann, werde ich in dieser Zeit stille und geführte Meditationen anbieten, um individuell und kollektiv Achtsamkeit, Wohlwollen und Frieden zu nähren. Falls jemand von Euch selbst eine Session leiten würde, meldet Euch gerne. 

Der Zugangslink für alle Tage:

Gemeinsam meditieren für Frieden
28.02. – 04.03.2022, jeweils 08:30 – 09:00 h

Zoom-Meeting beitreten
https://us06web.zoom.us/j/81906064129?pwd=TXRUSjJta3RWLzZqall5OXpZU0MwZz09

Meeting-ID: 819 0606 4129
Kenncode: 862395

Verbreitet diese Einladung gerne auf allen Kanälen, die Euch sinnvoll erscheinen.

Herzlichst,

Claudia

 

Diese Initiative stammt von unseren Meditierenden. Auch DU bist herzlich willkommen in der Offenen Meditationsgruppe .

Innere Bewusstheit entwickeln – Geführte Achtsamkeitsübung

Mit dieser Achtsamkeitsübung kannst du lernen, deine eigenen Gefühle und Gedanken immer bewusster wahrzunehmen.

Und das, ohne sie zu bewerten.

Damit stärkst du deine Selbstführung, wirst mehr und mehr Herr*in deines inneren Raumes und gewinnst an Entscheidungsfreiheit.

 

Mehr Achtsamkeit lernst du zum Beispiel im Workshop Achte auf dich! – Achtsamkeit zur Stressbewältigung.

Meditate for future: Warum Meditieren ein politischer Akt ist

Warum viele meiner Coachings oder Seminare mit ein paar Minuten Stille beginnen? Und was das mit gelingenden Veränderungsprozessen im Kleinen und Großen zu tun hat? Eine Menge. Allerdings nichts mit Wellness oder Esoterik.

 

Mythos Meditation

Menschen sitzen mit gekreuzten Beinen auf einem Kissen. Finger in einer diesen Buddha-Statuen-Haltungen, im Hintergund Bambus oder Zengarten. So ähnlich sieht Meditation vor dem geistigen Auge vieler Menschen aus, und auch auf den Werbefotos mancher Yogaschulen oder Ayurveda-Reiseanbieter. Meditieren ist Entspannung, so die Botschaft.

Kontrastprogramm: Meine erste Meditationserfahrung. Schlichte Betonhalle. Musik aus einem Autoradio dringt durch die weit geöffneten Fenster – es ist heiß an diesem Nachmittag in Sri Lanka. Nur der Sitz meines Plastikstuhls ist unangenehm kalt. Und noch bevor der Mönch in orangeroter Robe den ersten Satz gesagt hat, hätte ich bereits gern: Eine bessere Sitzgelegenheit. Ruhe. Ein schöneres Ambiente. Und weniger altkluge Mitschülerinnen, die stolz von Trancereisen und Krafttieren erzählen.

 

Das Leben läuft schon

Wir wollen ständig irgend etwas. Und irgendetwas nicht. Das Gute soll bleiben. Das Schlechte soll gehen. Was gut und was schlecht ist, erzählt der Plappermann in unserem Kopf in einer Tour. Wir machen uns im Kopfkino die Welt, sie uns gefällt. Oder gefallen würde. Damit sind wir geistig so beschäftigt, dass wir leider eine Sache verpassen: Wie die Welt hier und jetzt, gerade einfach so, IST. Das Leben läuft schon. Nur: Sind wir dabei?

Meditation hat wenig mit Wellness zu tun, aber viel mit genau dieser Frage: Sind wir “tuned in, or tuned out” (Nipun Metha)? Je mehr wir uns in unseren Gedanken verlieren, desto weniger ist uns bewusst, dass sie nur das sind: Gedanken. Nicht die Wirklichkeit. Wir aber verlieben uns in unsere Ansichten, Auffassungen, Meinungen, Logiken wie Narziss in sein eigenes Spiegelbild – und verlieren damit immer mehr die Fähigkeit, uns selbst noch von Außen zu betrachten oder in die Weltbilder anderer hineinzuversetzen und auch andersartige Meinungen nachvollziehen zu können: Der Riegel an einem mentalen goldenen Käfig.

 

Unsere DNA braucht ein Update

Nicht nur, dass wir damit eine Menge Sozialkompetenz einbüßen und unsere Beziehungen leiden. Auch unsere kognitiven Möglichkeits- und Lösungsräume schrumpfen. Denn wir brauchen die “Öffnung des Denkens” (Otto Scharmer), um uns immer wieder von neuen Dingen berühren zu lassen und damit in einer sich schnell wandelnden Welt handlungsfähig zu bleiben: Bleibt unsere Art zu denken, unsere mentale DNA immer die gleiche, reproduzieren wir nur immer mehr vom selben. In unserer Innenwelt, aber auch ganz handfest im Außen. Und das reicht nicht für kreative, innovative Antworten auf die komplexen Fragen unserer Zeit.

Unsere individuellen und kollektiven Routinen brauchen ein Update, wenn wir zu neuen Ergebnissen kommen wollen. Und das wäre angesichts unseres persönlichen Unglücks mitten im Überfluss und angesichts des Zustandes unseres Planeten nicht nur wünschenswert, sondern überlebenswichtig.

 

Meditieren als inneres Gärtnern

Meditation gilt seit zweieinhalbtausend Jahren als Königsweg, sich von der Verliebtheit, dem Verhaftet-sein in den eigenen Gedanken zu lösen und ein mind set zu kultivieren, das konstruktives, lebensdienliches Handeln fördert. “Es ist wie in einem Garten”, erklärt unser fröhlicher Mönch in seiner orangeroten Robe zwischen den Plastikstühlen in der singhalesischen Mittagshitze: “Die Samen, die wir wässern, gehen auf und wachsen. Wenn wir alles wuchern lassen, erdrückt das Unkraut Blumen und Gemüse. Nichts gedeiht richtig, wir ernten nicht die Früchte, die uns gut tun. Wir wählen also aus, was wir gießen und pflegen – und was nicht.”.

Die kluge Gärtnerin, der kluge Gärtner – sie beobachten, was sich da entwickelt im inneren Dschungel, machen Bestandsaufnahme. Wählen aus, was gewässert und genährt wird, und werfen auf den Kompost, was lieber nicht groß wird – und das am besten, bevor es tiefe Wurzeln geschlagen hat oder heranreift und weitere Samen verstreut.

 

Kein Unkraut auf den Nachbar-Acker

Das Bild passt gut: Wenn wir durch Meditation lernen, ärgerliche, kleinliche Gedanken im Keim zu erkennen und nicht mehr zu nähren, dann verhindern wir, dass Ärger, Enge, Geiz oder übermäßige Sorgen sich in uns selbst ausbreiten und schließlich auch auf andere übergreifen. Und das ist der Punkt, an dem Meditation mehr wird als ein Streben nach ganz persönlicher Gelassenheit: Achtsame Selbstführung ist aktiver Umweltschutz. Und eine mächtige Intervention ins soziale Gefüge: Denn so wie Aggression oder Angst sozial anstecken und sich kollektiv hochschaukeln können, so befeuern sich Menschen auch gegenseitig mit Achtsamkeit, Wohlwollen, Empathie. Wenn wir diese in uns selbst kultivieren, kultivieren wir sie in der Gesellschaft.

Zu meditieren ist also kein weltabgewandter Rückzug aufs Yogakisschen. Es ist ein politischer Akt, ein Akt sozialen Engagements, der Courage – Herzhaftigkeit braucht (Ha Vinh Tho). Denn es bedarf des Mutes und De-mutes, sich radikal ehrlich anzuschauen, was da in einem ist – oder eben auch (noch) nicht. Jon Kabat-Zinn formuliert es drastischer: “Meditation ist nichts für Feiglinge, nichts für jene Menschen, die aus Gewohnheit die leise Stimme der Sehnsucht ihres Herzens ignorieren.”.

 

Meditation for future

Wer lernt, die leisen Stimmen in sich selbst zu hören und ernst zu nehmen, der wird es auch bei der nächsten Gruppendiskussion oder Bundestagsdebatte tun. Dem Leisen, den Minderheiten eine Stimme zu geben, damit auch die Weisheit im Widerstand beitragen kann zu einer besseren Gesamtlösung für alle – das braucht ein großes Ohr, ein weites Herz, einen offenen Geist und einen scharfen, integrativen Verstand.

Ich stimme Wolfgang Niedecken völlig zu: Arsch hoch, Zähne auseinander. Aber davor bitte: Mund zuklappen und den Allerwertesten immer wieder runter auf den Boden bringen. Damit wir nicht aus blinder Wut “gegen” Dinge kämpfen, sondern mit bewusster Courage “für” etwas. Der Weg aus der Krise führt nach innen (Ha Vinh Tho).

 

Dabei statt nur mittendrin

Aber muss man dazu denn jetzt die Beine kreuzen? – “Sie können genau so gut alle Viere von sich strecken”, lacht der Mönch in der Betonhalle und lümmelt sich über einen Plastikstuhl. Wir lachen. – Ja, auch lachen darf man. Denn, so betont er, während er den Stuhl zusammenklappt und wieder auf dem Betonboden Platz nimmt: “Das ganze Leben ist Meditation”. Wenn du nicht nur mittendrin bist. Sondern dabei.

 

Aktuelle Workshops, in denen du ins Meditieren reinschnuppern kannst: Meditieren für Anfänger*innen